Ein verwahrlostes Areal hinter dem Hamburger Bahnhof, von großen Pflanzen überwucherte Gleise. Ein Baucontainer, der scheinbar zurückgelassen wurde und auf anstehende oder vergangene Veränderungen hinweist. Klara Lidén ging in ihrer Arbeit für die Ausstellung von einzelnen Beobachtungen aus, Fundstücken gewissermaßen, die sie in der Nähe des Hamburger Bahnhofs antraf. Baucontainer, erklärt die Künstlerin im Gespräch, sind mehr als Zeichen eines Wandels, sie stellen für sie ein zentrales Symbol Berlins dar – einer Stadt der offenen Potentiale, des beständigen Ausrangierens und der Metamorphosen. Ihr Projekt für den Preis der Nationalgalerie besteht daher in einer höchst widersprüchlichen und in einfachen Erklärungen auch nicht aufzulösenden Skulptur: einem grünen, ganz aus Büschen und Gewächsen geformten Baucontainer, der für die Dauer der Ausstellung im Hof des Museums fest eingepflanzt wird. Die äußere Form wurde mit Eiben aus einer Baumschule geschaffen, das Innenleben stammt von der Künstlerin selbst. Es sind kleinere Büsche, vor allem Ableger von wild wucherndem Unkraut, die Klara Lidén im Stadtraum entdeckte, ausgrub und die nun im akkurat geschnittenen Container zum Kunstwerk aufgewertet werden. Nicht weniger subversiv ist eine filmische Arbeit, mit der die Ausstellung im Hamburger Bahnhof eröffnet: man sieht die Künstlerin am Schreibtisch in einem nüchternen weißen Raum sitzen, einer Art ‚white cube’, bevor sie anschließend vor den Augen der Betrachter im Mülleimer verschwindet. Der prägnante, kurze Film irritiert, gibt Rätsel auf. Man hat das Groteske in Lidéns Filmen bereits mit der Ästhetik des alten Stummfilms, etwa jenen von Buster Keaton, in Verbindung gebracht. Aber die Verblüffung geht tiefer, hinterfragt nicht nur die Rolle des künstlerischen Daseins und die Mechanismen eines Kunstbetriebs (zu dem auch Kunstpreise zählen), sondern vor allem die menschliche Existenz. Alles hat ein Ende. Übrig bleiben, das macht Klara Lidén unmissverständlich deutlich, die Objekte: die Geräte und Apparaturen der Arbeit oder eben die Unkrautbüschel, die jede Kultur besetzen und, langfristig gesehen, auch überwuchern.