Das Werk der Nominierten ist charakteristisch für die häufig medienübergreifende Praxis der jüngeren Künstlergeneration.

Die vier Positionen spiegeln das breite internationale Spektrum der Kunstszene in Deutschland wider.
Christian Falsnaes‘ Werke basieren auf der Interaktion zwischen Publikum und Künstler. Als elementare Komponente setzt er die zumeist unvorbereiteten Ausstellungsbesucher in partizipatorisch konzipierten Performances ein, die er auf Video dokumentiert und anschließend in einem Zusammenschnitt ausgewählter Sequenzen zeigt.
Der Hörprozess selbst mit seinen physiologischen und psychologischen Eigenschaften steht im Fokus der von Florian Hecker konzipierten akustischen Environments. Seine Werke fordern die Konventionen der kompositorischen Entwicklungen der Nachkriegsmoderne, der elektroakustischen Musik und der Konzeptkunst zugleich heraus.
Anne Imhof verbindet in ihrer künstlerischen Praxis die verschiedenen Produktionsstrategien von Skulptur, Zeichnung, Malerei, Video und Performance. Ihre vielschichtigen Werke knüpfen an die Geschichte der Performance in Kunst und Musik an, um den Performancebegriff weiterzuentwickeln.
Das Werk von Slavs and Tatars ist medienübergreifend und manifestiert sich in den Bereichen Ausstellung, Installation, Publikation und Lecture Performance. Das Künstlerkollektiv widmet seine Arbeit den multiplen Glaubens- und Ritualsystemen Eurasiens und in Vergessenheit geratenen Bereichen der slavischen, kaukasischen und zentralasiatischen Kultur.

Preisträgerin

Foto: David von Becker
Anne Imhof

geb. 1978 in Gießen, Deutschland

Begründung der Jury

Anne Imhof erforscht verschiedene Methoden der Performance-Dokumentation und setzt sich mit den Ritualen und geheimen semiotischen Systemen von Nischengemeinschaften auseinander. Imhof choreografiert Bewegungsabläufe, Gesten und Sprachfragmente ihrer Performer zu visuellen Bildern, die einem ständigen Wandel unterworfen sind. Ihre Arbeiten sind in mehreren Versionen konzipiert, die sie über einen unbestimmten Zeitraum an verschiedenen Orten und im Laufe der Zeit in unterschiedlichen Varianten realisiert.

Austellung der Preisträgerin

Ausstellung der Preisträgerin

14. – 25. September 2016
Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin

Angst II
Im Herbst/Winter 2015 zeigte Anne Imhof im Hamburger Bahnhof mit Forever Rage einen Auszug aus ihren beiden Werkzyklen Rage und Deal. Mit dieser Collage ihrer letzten Ausstellung und Aufführung verbindenden Stücke gewann sie den Preis der Nationalgalerie 2015. Im Herbst 2016 kehrte Anne Imhof mit ihrer Preisträger-Präsentation Angst II nach Berlin zurück.

Angst ist eine Oper in drei Akten, die sich zeitlich und räumlich über drei Stationen erstreckt: Die Kunsthalle Basel, die Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof und La Biennale de Montréal widmeten Anne Imhof im Jahr 2016 drei Ausstellungen, die – wie drei Akte – miteinander verbunden waren. Einen ersten Akt präsentierte die Künstlerin als Auftakt im Juni 2016 in der Kunsthalle Basel. Angst II in Berlin bildete den Höhe- und Wendepunkt dieses Werkkomplexes. Abgeschlossen hat Anne Imhof die Werkfolge mit einem dritten Teil, den sie für La Biennale de Montréal entwickelte. Im Hamburger Bahnhof schuf die Künstlerin für die Dauer von 10 Abenden eine malerische Komposition, die sich aus Musik, Texten, skulpturalen Elementen und Akteuren, Falken und gesteuerten Drohnen zu einem Gesamtbild zusammenfügte.

Angst II teilte die historische Halle des Hamburger Bahnhofs durch ein Hochseil und ein dichter Nebel ließ die Architektur verschwimmen. Die Musik des Stücks erfasste den gesamten Ausstellungsraum und unterwarf die entstehende Malerei ihrem Rhythmus. Während bei dem in der Kunsthalle Basel gezeigten Akt in einer eher temporalen Anordnung Lieder als Arien auftauchten und der Marsch, ein Walzer und eine Ballade eine Rolle erhielten, wurde die musikalische Komposition im Hamburger Bahnhof über einzelne Systeme gespielt, die an Bühnenaufbauten eines Rockkonzerts oder auch an die über den gesamten Hamburger Bahnhof verteilten hauseigenen Lautsprecher für öffentliche Durchsagen erinnerten. Die Musikstücke in Angst II wurden für diesen Akt geschrieben und begleiteten das Werk teils gewaltsam surreal und komisch, teils sehr still. Die Kompositionen wurden vor allem für Chöre geschrieben, die nicht von Stimmen gesungen werden. Sie wurden in ihre einzelnen Spuren zerlegt, über die Mobiletelefone der Tänzer gespielt und fügten sich zu einem orchestralen Ganzen. Ein Seiltänzer durchschritt den halbdunklen Raum wie eine tickende Uhr, die den Puls dieses Stücks vorschlug.

Die historische Halle des Hamburger Bahnhofs wurde mit Angst II zum Schauplatz einer „Ausstellung als Oper”, deren Figuren sich nach dem Eröffnungsabend über die Dauer der Ausstellung in verschiedenen Konstellationen zeigten.

Shortlist & Ausstellungen

11. September 2015 – 17. Januar 2016
Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin

Foto: David von Becker

Christian Falsnaes

Bei Christian Falsnaes trifft man auf Inszenierungen, in denen nicht nur der Künstler, sondern auch sein Publikum zum Material wird. Christian Falsnaes macht die Betrachter dabei zu Akteuren wie auch zu Voyeuren, wenn sein Publikum sowohl selbst aktiv wird als auch andere bei ihren performativen Aktivitäten beobachtet. Er verstärkt diesen Effekt durch den Einsatz des Mediums Film, das vermeintlich zur passiven Betrachtung einlädt und hier in der Ausstellung durch einen Performer erweitert wird.

Auch das im Hamburger Bahnhof gezeigte Werk von Florian Hecker entfaltet sich erst durch die Aktivität der Besucher vollständig: Ihr Navigieren durch die Installation, ihre Erfahrung der klanglichen Unterschiedlichkeit verschiedener Standpunkte und Perspektiven ist ein integraler Bestandteil von Heckers räumlichen Kompositionen. Denn nur im realen Raum, in der Selbsterfahrung lässt sich die Klanginstallation in ihrer Komplexität erfahren.

Foto: David von Becker

Florian Hecker

Foto: David von Becker

Anne Imhof

Anne Imhof betont wiederum die Blickbewegung der Betrachter, also jene Wahrnehmung, mit der ein Kunstwerk überhaupt erst zum Leben erweckt wird. Ihre Choreografien mit Performern und Klängen sind ebenso wie skulpturale Elemente und Zeichnungen gleichwertige Bestandteile ihrer „Bilder“: Um diese zu erfassen, ist hier neben der Blickbewegung auch die körperliche Bewegung des Publikums gefragt.

Slavs and Tatars schließlich führen nicht nur Lecture Performances durch, sondern laden die Besucher ein, ihre Werke zu benutzen darauf zu schaukeln, zu sitzen oder es sich gemütlich zu machen. Vor allem das Lesen, zum Beispiel von ausliegenden Publikationen, oder auch das Gespräch zwischen den Besuchern, zu denen die Künstler aktiv einladen, werden hier zum Bestandteil einer performativen Erfahrung von Sprache.

Foto: David von Becker

Slavs and Tatars

Preisträger Förderpreis für Filmkunst

Bastian Günther

„California City“

Dokumentar- oder Spielfilm? Politischer Film oder metaphysisches Drama der Einsamkeit und Verlorenheit des Menschen in dieser von ihm unwirtlich her- und zugerichteten Welt? Egal. Dieser Film kennt kein enges Entweder-oder, sondern er bewegt sich im geistig-künstlerischen Raum des weiteren Sowohl-als-auch. Seine kategorische Uneinordbarkeit irritiert, die Präzision seiner Form und der Kompositionen seiner Bilder tun dies auch. Damit verweigern sie einen vereinnahmenden und banalisierenden Zugriff. Ein Film über uns alle in einer Zukunft, die längst begonnen hat und uns schmerzlich ahnen lässt, dass wir neben unserer Einsamkeit, neben unserer Utopielosigkeit und unserem Unvermögen, einfach gelingend zu lieben auch verdursten werden in einer trinkwasserlosen, verwüsteten Welt, die nichts weiter ist, als die Folge unserer inneren Dürre an schöpferischer Sorge um unsere Um- und Mitwelten und unserer Verödung an visionären Vorstellungen und Realisierungen eines nachhaltigen Gestaltens unserer Leben. Ein wichtiger Film, der sensibilisiert und verstört und den Kopf befreit für das was erzählens- und bedenkenswert ist, von einem Regisseur, Bastian Günther, der diesen Preis für seinen Film „California City“ und die ihm und seinem Team damit zum Ausdruck gebrachte Anerkennung und Wertschätzung zweifellos verdient.

Jury

Marius Babias
Fritzi Haberlandt
Fred Kelemen
Eva Kraus
Polly Staple
Bernard Blistène
Manuel Borja-Villel
Elena Filipovic
Gabriele Knapstein
Udo Kittelmann

Impressionen

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25 Jahre Preis der Nationalgalerie

25 Jahre Preis der Nationalgalerie – Die Freunde der Nationalgalerie geben zum Jubiläum neue Ausrichtung und neuen Ort bekannt.
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25 Jahre Preis der Nationalgalerie / Jubiläumsempfang in der Neuen Nationalgalerie / BMW Art Car / FREUNDE der Nationalgalerie © Romana Eder-Grabher

Partnerschaft mit BMW

Seit 2006 ist BMW Partner des Preis der Nationalgalerie und bekräftigt auch zukünftig sein Engagement für diese bedeutende Auszeichnung.
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Lutz Driever und Agnieszka Polska mit der signalisierten Edition im Rahmen des PREIS DER NATIONALGALERIE 2024 / FREUNDE der Nationalgalerie / Foto © Romana Eder-Grabher

Exklusive Künstlereditionen

Seit 2009 bekommen die Gäste des festlichen Venedig-Empfangs eine limitierte Künstleredition als Geschenk.
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