Die Beiträge der Nominierten befassen sich mit Bewegung, Zugehörigkeit und Selbstwahrnehmung in sich wandelnden öffentlichen und privaten Räumen.

Lamin Fofanas Erfahrungen in der Bewegung zwischen Afrika, Nordamerika und Europa sind spürbar in seiner experimentellen Herangehensweise an die Schaffung akustischer Environments.
Im Laufe der vergangenen zehn Jahre haben Calla Henkel und Max Pitegoff den soziourbanen Wandel Berlins und über die Stadt hinaus sowohl dokumentiert als auch beeinflusst. Vor diesem Hintergrund entsteht in ihren Werken eine Vielzahl von Narrativen um miteinander geteilte Situationen.
In ihrer energiegeladenen Arbeit findet Sandra Mujinga Bilder und Raumgefüge für flüchtige Welten, die über das anthropozentrische Paradigma hinausweisen. Mit einer spezifischen Vorstellung von Raum kommentiert sie in ihrer Arbeit Situationen und Orte, insbesondere solche, die sich selbst als offen verstehen.
Indem Sung Tieu eine große Bandbreite künstlerischer Medien wie Installationen, Ton, Text, Video und öffentliche Interventionen nutzt, schafft sie formal minimalistische und eindrucksvolle Environments. Ausgehend von ihrem Interesse an Psychoakustik zeigen ihre Arbeiten auf, wie Klang als invasives Werkzeug verwendet werden kann, um individuelle und kollektive Verhaltensweisen, Überzeugungen und Begierden zu manipulieren.

Preisträgerin

Sandra-Mujinga / PREIS DER NATIONALGALERIE 2021 / Foto: Benjamin Pritzkuleit
Sandra Mujinga

geb. 1989 in Goma, Demokratische Republik Kongo

Begründung der Jury

Sandra Mujinga arbeitet mit verschiedenen künstlerischen Medien. In ihrer Präsentation im Hamburger Bahnhof stehen Skulpturen im Mittelpunkt. In ihnen zeigt sich zum einen eine hohe Sensibilität für die verwendeten Materialien. In den gezeigten Werken gelingt es Mujinga zum anderen, widersprüchliche Erfahrungen zu vereinen: Formen, die im Verschwinden sind; Figuren, die geisterhaft–bedrohlich erscheinen, aber auch ihren Schutz anbieten; Bewegungslosigkeit, die dynamisch wirkt; Abgeschlossenheit, die zugleich im Werden zu sein scheint. Hierdurch entsteht eine Offenheit, die Raum für die eigene Imagination schafft. Thematisch lassen sich zahlreiche Anknüpfungspunkte finden, die Mujingas Werk im Hier und Jetzt verorten. Ihre Skulpturen erwecken den Eindruck, als kämen sie aus einer vergangenen Zukunft. Sie erinnern uns daran, dass wir für unser Überleben auf andere Lebewesen Rücksicht nehmen müssen und von ihnen Strategien lernen können, sich an eine stets verändernde Umwelt anzupassen.

Ausstellung der Preisträgerin

Ausstellung der Preisträgerin

9. Dezember 2022 – 1. Mai 2023
Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin

Shortlist & Ausstellungen

16. September 2021 – 27. Februar 2022
Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin

Foto: Isabel O'Toole

Lamin Fofana

Lamin Fofana zeigte die multisensorischen Installationen BLUES und Ballad Air & Fire, in denen Soundelemente mit Licht und Geruch kombiniert wurden wie auch mit filmischen Elementen und Fotografien von Fofanas langjährigen Projektpartnern Nicolas Premier und Jim C. Nedd. Den Ausgangspunkt der Installation BLUES bildeten Tracks von einer Alben-Trilogie, die Fofana in Reaktion auf Schlüsseltexte zur Erfahrung Schwarzen Lebens in der westlichen Welt komponiert hat: Black Metamorphosis, Darkwater und Blues. Das neue musikalisches Projekt Ballad Air & Fire entwickelte er aus einer Auseinandersetzung mit übermenschlichen Zeitlichkeiten wie etwa dem Auf und Ab von Ebbe und Flut oder dem Rhythmus von Tag und Nacht.

Calla Henkel und Max Pitegoff zeigten zwei serielle Fotoarbeiten. Für Exteriors hat das Duo Werbetafeln von Immobilienentwicklungsprojekten in der Stadt fotografiert. Die Aufnahmen wurden auf PVC Bannern gedruckt und von Markisen gehängt. Die darauf zu sehenden makellosen Renderings stehen im Kontrast zum Schmutz und zur Unordnung der dahinter liegenden Baustellen. Die neue Serie Collective Image (Gemeinsames Bild) besteht aus Nahaufnahmen des funkelnden Abwassers im städtischen Klärwerk Berlin-Ruhleben. Im zweiten Raum war ein Trailer zu den ersten beiden Folgen der fortlaufenden Fernsehserie Paradise (Paradies) zu sehen, die Henkel und Pitegoff in ihrer Bar „TV“ produzieren. Die vollständigen Folgen waren an unterschiedlichen Orten in der Stadt zu sehen.

Foto: Tarren Johnson

Calla Henkel und Max Pitegoff

Foto: Sjur Einen Saevik

Sandra Mujinga

Sandra Mujinga schuf zwei neue Skulpturengruppen, die von ihrem Interesse an Strategien des „Worldbuilding“ zeugten – des – meist im Kontext des Science-Fiction-Genres eingesetzten – Prozesses der Herstellung eines fiktionalen Universums, das mit neuen fantastischen Wesen bevölkert und nach alternativen Regeln regiert wird. „Reworlding Remains“ bestand aus drei stehenden Skulpturen, deren Haut aus zerfetzten Stoffbahnen gewoben und zu gespenstischen Figuren gebauscht wurde. In Sentinels of Change überwachte eine weitere solche Figur eine schematische dreidimensionale Darstellung eines liegenden Dinosaurierkörpers. Der gesamte Ausstellungsraum war in grünes Licht getaucht, das die Betrachtenden einhüllte.

Die Installation Song for VEB Stern-Radio Berlin beruhte auf der Auseinandersetzung von Sung Tieu mit dem 1980 geschlossenen Anwerbeabkommen zwischen der DDR und der Sozialistischen Republik Vietnam, in dessen Folge bis zu 100.000 Vietnames*innen in fast tausend Volkseigene Betriebe (VEB) als Vertragsarbeitende kamen. Entlang der Wände hing die Arbeit „Date, Flight Number, Ministry, Factory, Workers Target, Workers Actual (Complete Edition)“, die aus eins-zu-eins transkribierten und grafisch neu gesetzten Datenblättern aus dem Bundesarchiv bestanden. Zentrum der Installation war ein Raum im Raum – verkleidet mit Wandpaneelen aus Edelstahl und bestückt mit 8 Radios, die von vietnamesischen Arbeiter*innen im VEB Stern-Radio Berlin produziert wurden. Die auf den Radios abgespielte Soundarbeit erfüllte den Raum mit industriellen, dissonanten Klängen, die in eine Melodie übergingen.

Foto: Diana Phammatter

Sung Tieu

Jury

Adam Budak
Andrea Lissoni
Zoé Whitley
Franciska Zólyom
Emre Baykal
Sven Beckstette
Gabriele Knapstein
Emma Lavigne
Yesomi Umolu

Impressionen

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